Gebäudebegrünung aus einem Guss – „Grüne Hülle“ in die Tat umgesetzt

Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft im belgischen Eupen

Wie oft wird davon gesprochen, alle fünf Fassaden (vier Wände plus Dachfläche) zu begrünen und dem Gebäude einen „grünen Pelz“ anzulegen. In Eupen, kurz nach der belgischen Grenze, wurde das am neuen Parlamentsgebäude der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit insgesamt 653 Quadratmeter Dach- und Fassadenbegrünung vorbildlich umgesetzt. Eine moderne Architektur hat sich mit fortschrittlicher Gebäudebegrünung verbunden und eindrucksvoll zwischen dem historischen Hauptbau und dem angrenzenden Park eingefügt.

Zur Historie
Das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien hat seit Oktober letzten Jahres seinen neuen Sitz in Eupen eingenommen. Verwaltung und Fraktionsbüros haben die renovierten Räumlichkeiten des ehemaligen Sanatoriums im Kehrweg bezogen. Der historische Bau wurde zu Kaisers Zeiten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts errichtet und hatte abhängig von der vergangenen politischen Lage deutsche und belgischen Eigentümer und damit auch unterschiedliche Nutzungsformen. Das Gebäude und das umliegende Gelände gingen in das Eigentum der Deutschsprachigen Gemeinschaft über. Jedoch fehlten dort repräsentative Räumlichkeiten und im Zuge des Umbaus und Restaurierung des ehemaligen Sanatoriums wurde im Herbst 2008 ein internationaler Architektenwettbewerb durchgeführt, den Atelier Kempe Thill aus Rotterdam mit dem Partnerarchitekten Artau scrl d’architectures, Malmedy, gewonnen hatte. Ein besonderer Blickfang ist der komplett begrünte Neubau des Petitionssaales. Da das dahinter gelegene ältere Hauptgebäude deutlich höher ist als der neue Petitionssaal und in den Hang gebaut wurde, ist dessen Dachfläche voll einsehbar. Die Planer haben sich aus diesem Grund entschieden, die Gebäudehülle, das heißt Dach und Fassaden, komplett und einheitlich zu begrünen. Damit integriert sich der neue Plenarsaal eindrucksvoll an das restaurierte Sanatorium und in die Parklandschaft. Die Architekten sprechen von einem „Landschaftsobjekt vor einem Herrenhaus, in der beide Gebäude einen jeweils eigenen Charakter bekommen und dennoch eine architektonische Einheit bilden“. Sowohl vom Hauptgebäude als auch vom Plenarsaal hat man einen schönen Blick auf den Park.

Bauliche Gegebenheiten und Begrünungsaufbauten
Der Neubau des Plenarsaals ist ein Betongebäude mit einer 16 Zentimeter starken Anspritzdämmung aus PUR-Schaum. Das Dach wurde mit einer Dachabdichtung aus PVC wurzelfest abgedichtet und damit für die nachfolgende Dachbegrünung vorbereitet. Ziel der Architekten war es, ein möglichst gleichmäßiges Erscheinungsbild der Dach- und Fassadenvegetation zu erhalten und Dach- und Fassadenbegrünung miteinander verschmelzen zu lassen. Es musste hierfür also ein Anbieter gefunden werden, der Systeme, Erfahrungen und Planungen sowohl für Gründach- als auch für Fassadenbegrünungen anbieten kann. Die weltweit agierende Optigrün international AG mit Sitz in Krauchenwies in Baden-Württemberg konnte den Vorstellungen der Planer entsprechen. Im Zusammenspiel Architekten, Anwendungstechnik Optigrün-Zentrale und dem belgischen Gebietsleiter wurden verschiedene Möglichkeiten geprüft und mit den Optigrün-Systemlösungen „Fassadengarten“ und „Leichtdach“ die passenden und ineinander übergehenden Begrünungssysteme gefunden.

Aufgrund der Vorgaben zur Statik, Vegetationsform und Pflege wurde für die Begrünung des Daches die Optigrün-Systemlösung „Leichtdach“ gewählt, die mit einer Aufbauhöhe von 5 Zentimeter im wassergesättigten Zustand nur etwa 53 kg/m² wiegt. Der Schichtaufbau sieht auf der Dachabdichtung aufbauend wie folgt aus:

Schutz- und Speichervlies Typ RMS 300
Optigrün-Festkörperdränage Typ FKD 25
3 cm Optigrün-Leichtsubstrat Typ L
Vorkultivierte Sedum-Vegetationsmatten

Da eine ausschließliche Begrünung mit möglichst rotlaubigen Sedum-Arten erwünscht war, wurde eine vorkonfektionierte Sedum-Vegetationsmatte verlegt. Die Dachfläche war damit sofort geschlossen und begrünt. Sogar der zu Revisionszwecken notwendige Kontrollschacht wurde begrünt, so dass die Dachfläche in einem einheitlichen Vegetationsbild erscheint.

Wandgebundene Fassadenbegrünungssystem mit Substrat
Der Wechsel von Dach- zur Wandbegrünung erscheint auf den ersten Blick übergangslos, da das Lochgitter zum Abschluss der Dachbegrünung aus dem gleichen Material und Farbe besteht wie die Fassadenelemente. Aufgrund der Maschenweite können die Sedum-Pflanzen durch das Gitter wachsen und es optisch überdecken.

Der Optigrün-Fassadengarten ist ein wandgebundenes Begrünungssystem ohne Bodenanschluss und auf Substratbasis, was mit vielen Vorteilen verbunden ist: bessere Frostbeständigkeit der Pflanzen, höhere Wasserspeicherung, Feuchtigkeitspufferung und mehr Wurzelraum. Die Seriengröße der Fassadenelemente aus Aluminium beträgt 60 x 100 Zentimeter, darüber hinaus sind projektbezogene Sonderanfertigungen möglich, sodass bauwerksspezifische Gegebenheiten berücksichtigt werden können. Aufgrund der Flexibilität in Oberflächenfarbe und Substrat-Befüllung der Fassadenelemente ergeben sich individuelle Gestaltungsmöglichkeiten.

Bauliche Voraussetzungen für den Einbau der Optigrün-Systemlösung „Fassadengarten“ ist eine statisch geeignete Fassaden- bzw. Wandkonstruktion (mit und ohne Wärmedämmung), die mindestens 120 kg/m² an zusätzlicher Last aufnehmen kann. An diese werden die Optigrün-Einhangschienen mit bauaufsichtlich zugelassenen Befestigungsmitteln montiert und ausgerichtet. Die Optigrün-Einhangschienen können, wenn baulich machbar, direkt an die Wand montiert werden. Ist dies nicht möglich, sind Tragschienen vorzusehen, an denen die Optigrün-Einhangschienen befestigt werden. Bei dem Objekt in Eupen wurden die Optigrün-Einhangschienen an eine Contrial-Unterkonstruktion befestigt. Die Fassadenelemente können nachträglich an der Wand hängend begrünt bzw. wie im vorliegenden Fall vorkultiviert, das heißt komplett begrünt, eingebaut werden. Für die Wandbegrünung in Eupen wurden die Fassadenelemente vorkultiviert und schon einige Monate vor Baubeginn Sedum-Pflanzen in die vorgesehenen Pflanztöpfe gepflanzt und zusätzlich noch Sedum-Sprossen in das Substrat eingearbeitet. So konnte eine flächendeckende Sedumbegrünung schon gleich zum Einbau im November 2013 sichergestellt werden.

Folgende Sedum-Arten wurden bei der Gebäudebegrünung des Plenarsaals verwendet:

Sedum album ´Coral carpet`
Sedum album `Murale`
Sedum lydium `Glaucum`
Sedum spurium `Purpurteppich`
Sedum spurium `Fuldaglut`
Sedum `Shorbuser Blut`
Sedum spurium `Red Carpet`

Ohne geht es nicht: Bewässerungsstrategie, Pflege und Wartung

Wandgebundene Fassadenbegrünungen müssen regelmäßig gepflegt werden. Die Pflegemaßnahmen bestehen, über die Wasser- und Nährstoffversorgung hinaus, bei Bedarf aus Rückschnitt und Austausch von Einzelpflanzen. Die Intensität der Pflege ist von den Pflanzenarten, den Jahreszeiten und dem damit verbundenen Pflanzenwachstum abhängig. Entscheidend ist eine permanente und bedarfsgerechte Wasser- und Nährstoffversorgung. Optigrün bietet ein Bewässerungssystem mit integrierter Nährstoffversorgung an. Dafür ist eine ausreichend dimensionierte Haustechnik (Strom- und Wasserzufuhr) einzuplanen. Um den Frischwasserverbrauch so gering wie möglich zu halten, haben sich computergesteuerte Kreislaufsysteme bewährt. Das heißt Feuchtefühler messen den Feuchtigkeitsgrad des Substrates und geben bei Bedarf die Wasserzufuhr über Tropfschläuche frei bzw. schalten diese wieder ab. Beim Projekt in Eupen wird jede Seite extra angesteuert und jede Fassadenelement-Reihe hat einen Bewässerungsschlauch im Abstand von etwa 116 Zentimeter. Zur Steuerung und Fernüberwachung ist jede Seite mit vier Temperatur- und Feuchtefühlern ausgestattet.

Fazit
In Eupen wurde das umgesetzt, wovon viele Stadtökologen träumen – das rundum begrünte Gebäude, bei dem Dach- und Fassadenbegrünung miteinander verschmelzen. Beim Neubau des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft wurden das Dach und alle Fassaden begrünt, so dass ein beeindruckender Blickfang entstand. Schon nach dem Einbau der Optigrün-Systemlösungen „Fassadengarten“ und „Leichtdach“ Ende letzten Jahres war das Gebäude grün bewachsen eingehüllt.

Autor
Dr. Gunter Mann
Optigrün international AG
Am Birkenstock 19
72505 Krauchenwies

T. +49 7576 7720
F. +49 7576 772299
info@optigruen.de
www.optigruen.de
www.fassadenbegruenung.info


Objektsteckbrief: Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft Eupen, Belgien

Baujahr: 2013

Bauherr: Ministerium der Deutschprachigen Gemeinschaft Belgiens, Eupen

Architekt: Atelier Kempe Thill Architekten, Rotterdam, mit Unterstützung durch Artau Architekten, Malmedy

Statik: Kempen Krause Aachen

Projekt Management: Drees und Sommer, Luxemburg

Ausführung Gebäudebegrünung: H4A Groen, Zelzate

Flächengröße Dachbegrünung: 437 m²

Flächengröße Fassadenbegrünung: 216 m²

Bewässerung Fassadengarten: Mastop totaaltechniek, Boskoop

Schichtaufbau Gebäudebegrünung: Optigrün-Systemlösung „Leichtdach“, Optigrün-Systemlösung „Fassadengarten“

Zur Information: die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien

Das Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist knapp 854 km² groß und umfasst neun Gemeinden. Deutsch ist Amts-, Schul- und Gerichtssprache. Die Einwohner der Deutschsprachigen Gemeinschaft verstehen sich als Menschen in einem europäischen Kerngebiet mit Zugang zu vier verschiedenen Ländern (B, D, NL und L). Nach dem Versailler Vertrag kam das Gebiet um Eupen-Malmedy 1919 zu Belgien. Damit wurden rund 70.000 Deutsche zu Belgiern. Die deutschsprachige Minderheit genießt in Belgien heute Autonomieschutz, seit 1984 verfügt die Gemeinschaft über ein eigenes Parlament. Das Parlament ist die Volksvertretung des kleinsten belgischen Teilstaates und zählt 25 Abgeordnete. Die Deutschsprachsprachige Gemeinschaft vereinbart Partnerschaften mit europäischen Regionen und Staaten, sie ratifiziert internationale Abkommen, ist grenzüberschreitend aktiv in der Euregio Maas-Rhein und in der Großregion. Und auch im Europäischen Parlament sind die deutschsprachigen Belgier vertreten.
www.dgparlament.be

Abbildungen und Fotos

Abb. 1: Systemschnitt der Optigrün-Systemlösung „Fassadengarten“

Abb. 2: Detail Randausbildung Übergang Dach/Fassade

Foto 1: Ein Blickfang – begrünter Plenarsaal vor historischer Kulisse eingebettet im Park

Foto 2: Blicke aus dem komplett begrünten Neubau in den Park

Foto 3: Gelungene Einbettung des begrünten Gebäudes zwischen Park und Hauptgebäude

Foto 4: Interessanter Kontrast von Stein und Grün

Foto 5a: Während der Bauphase (zu sehen sind die Optigrün-Einhangschienen) …

Foto 5b: … und ein halbes Jahr später

Foto 6a: Detail Übergang Dach/Fassade in der Bauphase …Foto 6b: … und nach der Fertigstellung: gerade noch zu sehen ist der Übergang Dach/Fassade

Foto 7: Verschmelzung von Dach, Fassade und Park

Fotos und Abbildungen

 

Bitte mit dem Quellenhinweis "Optigrün". Danke!