Nachhaltiges Bauen mit Dachbegrünung
Von Dr. Gunter Mann
In dem Informationsportal des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (www.nachhaltigesbauen.de) sind verschiedene Erläuterungen und ein Leitfaden zum ökologischen Bauen zu finden. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) vergibt ein Zertifikat, wenn bestimmte Vorgaben dazu erfüllt sind. In diesem Beitrag soll aufgezeigt werden, welche positiven Wirkungen die Dachbegrünung dabei übernimmt.
Wirkungen begrünter Dächer - Nachhaltiges Bauen
Nachhaltiges Bauen heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen, damit nachfolgenden Generationen ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen werden kann. Für den Baubereich lassen sich aus diesen Dimensionen verschiedene Schutzziele ableiten. Im Rahmen einer Lebenszyklusbetrachtung wird die Optimierung sämtlicher Einflussfaktoren über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes - also von der Rohstoffgewinnung über die Errichtung bis zum Rückbau - angestrebt. Alle Lebensphasen eines Bauwerks müssen im Hinblick auf die unterschiedlichen Aspekte der Nachhaltigkeit analysiert und in ihrem Zusammenwirken optimiert werden. Ziel ist das Erreichen einer hohen Gebäudequalität mit möglichst geringen Auswirkungen auf die Umwelt.
Die Beurteilungs- bzw. Bewertungsmaßstäbe der Nachhaltigkeit von Gebäuden beziehen sich auf drei vorrangige Schutzziele:
1. Ökonomie
2. Ökologie
3. Soziales und Kulturelles
Ökonomie
Rechnet sich eine Dachbegrünung? Die bisher durchgeführten Kosten-Nutzen-Analysen lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen. In einem Punkt sind sich jedoch alle Autoren einig: begrünte Dächer rechnen sich früher oder später. Einige der nachfolgend angeführten Punkte betreffen direkt oder indirekt die mögliche Kosteneinsparung durch eine Begrünung:
- Schutz der Dachabdichtung vor Extrembeanspruchung bei Spitzentemperaturen im Sommer und Winter und vor Wind- und Witterungseinflüssen wie Sturm, Hagel, UV-Strahlung - damit verlängerte Lebensdauer der Dachabdichtung gegenüber der unbegrünten Variante. Fachleute sprechen von einer doppelt so langen Zeit ohne Reparaturen oder Komplettsanierungen.
- Wärmedämmleistungen im Winter und Hitzeschild im Sommer und damit ein Beitrag zur Energieeinsparung.
- Erhöhung des Wirkungsgrades von Photovoltaikanlagen bei der Kombination Photovoltaik/Dachbegrünung. Photovoltaik und Dachbegrünung schließen sich im Gegensatz zum Vorgenannten Ansatz nicht aus - ganz im Gegenteil.
- Die Dachbegrünung schützt die Dachabdichtung, so dass die geplante Nutzungsdauer der Dachfläche von 20-25 Jahren ohne zwischenzeitliche Reparatur- bzw. Sanierungsarbeiten erreicht wird.
- Die Dachbegrünung bildet die Auflast der Solarmodule, so dass Durchdringungen in die Dachabdichtung vermieden werden können.
- Die Dachbegrünung verbessert die Leistung der Photovoltaikanlage um etwa 4-5% durch die Kühlung der Solarmodule und trägt damit zur schnellen Rentabilität des Objektes bei.
- Wasserrückhaltung (je nach Begrünungsart jährlich 30-99% des Niederschlags) und Minderung der Spitzenabflüsse (je nach Begrünungsart bis zu 100%). Damit Entlastung der Kanalisation mit den verbundenen Einsparungspotentialen bei der Rohr- und Kanaldimensionierung, Einsparung von Regenrückhaltebecken und mögliche Gebührenminderung bei Städten mit gesplitteter Abwassersatzung.
Ökologie
- Ökologische Ausgleichsflächen und Ersatz-Lebensräume für Tiere. Anerkannte Minderungsmaßnahme bei der Eingriffs-Ausgleichsregelung.
- Je nach Begrünungsart und Vegetationsform sind dauerhafte Lebensräume mit hoher Artenvielfalt in Flora und Fauna möglich bzw. temporäre Rückzugsbiotope für Wildbienen, Schmetterlinge usw.
- Ausgewählte Gründachsysteme mit ausgeglichener Ökobilanz, Produkte natürlichen Ursprungs bzw. aus Recyclingmaterial und einem dezentralen Substratkonzept, um Transportwege zu minimieren.
Soziales
In diesem Themenbereich steckt vor allem das, was man unter "Lebensqualität" versteht, die durch das Begrünen von Dächern direkt und indirekt beeinflussbar ist.
- Durch die Verdunstung des gespeicherten Wassers ergibt sich eine Verbesserung des Umgebungsklimas: Kühlung und Luftbefeuchtung.
- Verbesserung der Luftschalldämmung aufgrund der größeren Schwingungsträgheit der Gesamtfläche und gute Schalladsorption wegen der Struktur der Vegetation.
- Filterung von Luftschadstoffen und Feinstaub und Minderung von Elektro-Smog.
- Verbesserung des Arbeits- und Wohnumfeldes für die Menschen, insbesondere bei einseh- bzw. begehbaren Dachbegrünungen und zusätzliche Wohn- und Nutzflächen.
Zusammenfassung
Begrünte Dächer vereinen eine Vielzahl an positive Wirkungen, die sich je nach den örtlichen Gegebenheiten nachweisbar rechnen können. Dachbegrünungen gehören zweifelsohne zu den Konzepten eines nachhaltigen Bauens. Für die fachgerechte Planung und Umsetzung von Dachbegrünungen gibt es Richtlinien. Es kann festgehalten werden, dass wir mit begrünten Dächern auf dem richtigen Weg sind - in Ökologie und Ökonomie.
Foto 1: Begrünte Siedlung in Freiburg schafft ein lebenswertes Ambiente
Foto 2: Ökologie, Wasserrückhalt, Architektur - drei Funktionen der Dachbegrünung der Landesmesse Stuttgart
Foto 3: Aus einer einfachen Extensivbegrünung wird ein Treffpunkt - Dachterrasse eines Pflegeheims in Singen
Foto 4: Sport und Spiel auf dem Dach - Kindertagesstätte in Stuttgart Mitte
Foto 5: Laufbahn auf einem extensiv begrünten Dach - Bewegung, Gemeinschaft, Natur
Foto 6: Kombination mit Zukunft - Photovoltaik und Dachbegrünung
Foto 7: Gegenwart und Zukunft - Arbeitsplatz auf dem Dach
Fotos "Optigrün"







