Dachbegrünung
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Presse 123

Mit Dachbegrünung

 

Aussegnungshalle in Schönaich – Holz, Glas, Erde

 

War die Begleitung von Trauerfällen bislang die traditionelle Aufgabe der großen Kirchen, verändert sich die Situation durch die wachsende Zahl von Konfessionslosen und Angehörigen anderer Religionen. Aus der kirchlichen wird zunehmend eine kommunale Angelegenheit, die entsprechende Räume benötigt. So ließ sich die Gemeinde Schönaich eine neue Aussegnungshalle errichten, die nun allen Trauernden als Ort der Andacht zur Verfügung steht.

 

Die Aussegnungshalle in Schönaich ist als einfacher Glaskubus konzipiert. Das Gebäude ergänzt, als moderner Kontrapunkt, das bestehende Ensemble aus der historischen evangelischen Sandsteinkirche, dem evangelischen Gemeindehaus aus den 1920-er Jahren und dem historischen Friedhof. Eine wesentliche Idee des Entwurfs ist es, Wirkung der baulichen Qualitäten der umgebenden historischen Bebauung und des atmosphärischen, parkartigen Friedhofs in den Raum der Aussegnungshalle mit einzubeziehen. Das Raumprogramm setzt sich aus der Halle mit 160 m² Nutzfläche und den erforderlichen Funktionsräumen zusammen. Die Halle ist unterschiedlich nutzbar, die Trauergemeinde kann sich in beiden Hallenlängsrichtungen oder auch zur Hallenmitte orientieren.

 

Konstruktionen

Der Hallenbaukörper ist als Holzkonstruktion, die sich L-förmig anschließenden Funktionsräume sind als Massivbaukonstruktion konzipiert.

Das Material Holz bestimmt auf vielfältige Weise und wesentlich den Charakter der Aussegnungshalle. Die Tragelemente der Hallendachkonstruktion bestehen aus 16 Brettschichtholzrippen, die im Raster von 1,05 m angeordnet sind und paarweise mit einer Holzwerksstoffplatte zu 8 p-Platten verleimt werden. Im selben Raster stehen sehr schlanke, ca. 7,20 m hohe Brettschichtholzstützen. Ihre Querschnittsmaße betragen 7 cm auf 40 cm. Die Stützen leiten die Vertikallasten aus den Hauptträgern in die Bodenplatte der Halle ein. Zugleich nehmen sie als Kragarme die Horizontallasten aus Wind auf. Das Einspannmoment am Stützenfuß wird über ein Stahleinbauteil in die Bodenplatte eingeleitet.

Die Konstruktion erhält in ca. 2,40 m und in ca. 4,80 m Höhe einen umlaufenden Horizontalriegel. Die Einzelelemente dieser Holzriegel werden zug- und druckfest, sowie über Eck biegesteif miteinander verbunden. Diese „Gürtel“ verhindern das seitliche Ausweichen (Knicken) der schlanken Stützen. Die Aussteifung des Holztragwerkes gegen horizontale Einwirkungen erfolgt über die eingespannten Stützen und die Dachscheibe.

 

Fassaden

Die tragenden Holzstützen und –riegel dienen gleichzeitig als Tragstruktur für die Fassadengläser. Für die Fassadengläser wurde ein Isolierglas mit einer horizontalen Merantiholzeinlage im Glaszwischenraum eingesetzt.

Dieses Glassystem ermöglicht es, dass der Hallenraum zwar Verbindung zum parkartigen Friedhof nimmt, die Anwesenden jedoch tagsüber vor Einblicken von außen weitgehend geschützt sind. Das einfallende Licht erhält durch die 11 Millimeter breite Holzstabeinlage einen entsprechend der Tageszeit oder Witterung wechselnden Charakter und erzeugt einen ganz besonderen Raumeindruck.

Auf einen außenliegenden Sonnenschutzes konnte dank des g-Wertes des Glases verzichtet werden. Die besondere Umgebung der Halle spiegelt sich auf differenzierte Weise von außen in den Fassaden wider.

 

Dächer

Die beiden auf unterschiedlichen Ebenen liegenden Dächer der Aussegnungshalle sind extensiv begrünt. Dabei kam die Optigrün-Systemlösung „Naturdach“ in mehrschichtiger Bauweise zum Einsatz: Festkörperdränage Typ FKD 40, Filtervlies Typ 105 und Extensivsubstrat Typ E-leicht. Die Gesamtaufbauhöhe dieses Schichtenpakets beträgt etwa 15 cm, das Gewicht im wassergesättigten Zustand etwa 170 kg/m². Durch die Verwendung der 4 cm hohen Festkörperdränage FKD 40 ist der Gründachaufbau auch bei gefällelosen Dächern geeignet und kann selbst bei temporär stehendem Wasser bis zu 3 cm tolerieren und die darüber liegende Substratschicht vor Vernässung bewahren.

Auch wenn nur die weiter unten liegende Dachbegrünung von den Besuchern des Friedhofs zu sehen ist, ergibt sich für sie und die benachbarten Anwohner ein harmonisches Zusammenspiel von Architektur, Natur und Besinnung.

 

Ausgezeichnet beim Wettbewerb "Beispielhaftes Bauen Böblingen 2003-2009"

Die Begründung der Jury lautete: „Der einfache Glaskubus schafft Konzentration und Ruhe und erfüllt die an ihn gestellte Aufgabe somit in besonderer Weise. Es entstand ein Ort der Andacht, der allen offensteht sowie Wärme und Vertrautheit vermittelt. Die im Scheibenzwischenraum eingefügten Holzstabeinlagen materialisieren den transzendenten Charakter des Gebäudes.“

 

 

Autoren

Dipl. Ing. Eckhard Ernst

Planungsbüro Ernst

Tübinger Straße 109

70178 Stuttgart

T. 0711-6070315

F. 0711-6074636

info@ernst-plan.de

www.ernst-plan.de

 

Dr. Gunter Mann

Optigrün international AG

Am Birkenstock 19

72505 Krauchenwies

T. 07576-7720

F. 07576-772299

info@optigruen.de

www.optigruen.de

www.faszination-dachbegruenung.de

 

Fotos und Abbildungen:

 

Abb. 1: Schnittzeichnung der Wandkonstruktion

 

Abb. 2: Grafische Darstellung der Schichten der Systemlösung „Naturdach“

 

Foto 1: Holzarbeiten während der Bauphase

 

Foto 2: Holzbau im Halleninneren

 

Foto 3: Die Umgebung spiegelt sich in der Glasfassade wider

 

Foto 4: Die extensive Dachbegrünung in voller Blütenpracht

 

Foto 5: Die begrünten Dachflächen und das Friedhofsgeländer gehen harmonisch ineinander über

 

Foto 6: Blick vom Kirchturm auf die begrünte Aussegnungshalle

Foto 7: Aussegnungshalle Schönaich in der Übersicht

 

Foto 8: … Architektur, Natur, Harmonie, Ruhe ...

 

Bitte die Abb. 1 und die Fotos 1-2 mit dem Quellenhinweis „Ernst“ und die Abb. 2 und die Fotos 3-8 mit dem Quellenhinweis „Optigrün“. Danke!

 

 

 

 

Objektsteckbrief

 

Aussegnungshalle Schönaich

 

Baujahr:                                             2006

 

Flächengröße Dach:                          350 m²

 

Bauherr:                                             Gemeinde Schönaich

Planer:                                               Eckhard Ernst, Dipl.-Ing. Freier Architekt, Stuttgart

 

Holzbau:                                             Paul Stephan GmbH + Co.KG, Gaildorf

 

Ausführung Dachabdichtung:            Dieter Eitle GmbH, Neu-Ulm

 

Ausführung Dachbegrünung:            Optigrün-Partnerbetrieb Garten Moser, Reutlingen

 

Gründachaufbau:                              Optigrün-Systemlösung „Naturdach“

 

Wärmedämmung/Dachabdichtung: Foamglas/Bitumen